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Krankeitsbild Varizellen (Windpocken)

Varizellen (Windpocken) sind eine weltweit verbreitete, hochkontagiöse Krankheit. Saisonale Häufungen sind in unseren Breiten im Winter und Frühjahr zu beobachten. Das Varicella-zoster-Virus (VZV) verursacht bei der Erstinfektion die Varizellen und bei endogener Reaktivierung Herpes zoster. Gehäuft tritt Herpes zoster im höheren Lebensalter auf. Der Mensch stellt das einzige Virusreservoir dar.

In Deutschland sind Varizellen unter den Infektionskrankheiten im Kindesalter, die impfpräventabel sind, am häufigsten. Im Zeitraum vor der allgemeinen Impfempfehlung 2004 waren durchschnittlich 750.000 Erkrankungen zu erwarten. Im Alter von vier bis fünf Jahren haben bereits etwa 60 Prozent der Kinder eine VZV-Infektion durchgemacht. Die Durchseuchungsrate erhöht sich bei den Zehn- bis Elfjährigen auf 94 Prozent. In den höheren Altersgruppen bis 40 Jahre bestehen Immunitätslücken von drei bis fünf Prozent.

Die Windpocken haben eine Inkubationszeit von 14 bis 16 (8 bis 23) Tagen, nach Gabe von Varicella-zoster-Immunglobulin bis zu 28 Tagen. Die Virusübertragung findet über Tröpfcheninfektion statt, ebenfalls möglich ist die Ansteckung über eine Schmierinfektion nach Kontakt zu virushaltigen Bläschen oder Krusten. Typisch für Varizellen ist das juckende Exanthem auf. Aus den zunächst rotfleckigem Ausschlag entwickeln sich linsengroße Bläschen mit klarer Flüssigkeit, die später verkrusten. In dieser Zeit kann es zu Fieber bis 39 ° Celsius kommen. Charakteristisch ist das schubweise Auftreten des Ausschlages, so dass sich alle Stadien finden (“buntes Bild”): Flecken, Pusteln, Bläschen, Krusten. Betroffene Körperstellen sind vor allem Rumpf, Gesicht, Kopfhaut und die rumpfnahen Abschnitte der Extremitäten. Die Schleimhäute können ebenfalls Effloreszenzen aufweisen. Die Krusten fallen nach etwa 7 bis 14 Tagen ab. Obwohl Varizellen meist einen milden Verlauf nehmen, sind schwere Erkrankungen auch bei immungesunden Kindern keine Seltenheit. Besonders gefährdet für komplizierte oder gar lebensbedrohliche Erkrankungen sind neben immunsupprimierten Patienten auch Schwangere, Jugendliche und junge Erwachsene.

Die häufigsten Komplikationen bei Varizellen sind bakterielle Superinfektionen der Haut, meist verursacht durch Streptococcus pyogenes oder Staphylococcus aureus. Varizellenpneumonien werden bei Erwachsenen in bis zu 20 Prozent der Krankheitsfälle beobachtet, bei Kindern seltener. Schwangere sind besonders gefährdet, unter einem schweren Verlauf einer Varizellenpneumonie zu leiden. In etwa 0,1 Prozent der Varizellen-Ersterkrankungen treten Manifestationen am Zentralnervensystem in Form von Hirnhautreizung oder Störungen von Bewegungsabläufen auf, wobei diese eine gute Prognose aufweisen. Schwerwiegende Komplikationen sind etwa Hirnhaut- und Gehirnentzündung. Herzmuskel-, Nieren- oder Leberentzündung sowie Gelenkentzündungen kommen in Einzelfällen vor.

Eine diaplazentare Übertragung (von der Mutter aufs ungeborene Kind) ist zwar selten, kann aber in bis zu zwei Prozent bei der Erkrankung einer Schwangeren zum so genannten fetalen Varizellensyndrom führen (Varizellen in der 5. bis 24. Schwangerschaftswoche). Nach einer Infektion der Mutter um den Geburtszeitpunkt herum (fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt) können schwer verlaufende so genannte neonatale Windpocken vorkommen, da die Kinder nicht über mütterliche Antikörper verfügen. Bis zu einem Drittel der Kinder sterben an den Folgen.

Der Herpes zoster (Gürtelrose) ist die Folge einer Reaktivierung des nach der Primärinfektion latent in den Ganglien verbleibenden Windpockenviren. Zoster tritt vor allem bei Störungen der Immunabwehr im Alter oder bei bestimmten Grunderkrankungen wie zum Beispiel bei HIV-Infektion, Lymphomen und anderen bösartigen Erkrankungen sowie nach Knochenmarktransplantation auf. Typisch ist zunächst ein brennender Schmerz, der über Tage anhalten kann. Innerhalb von zwei Tagen kommt es zur typischen halbseitigen, bandartigen Ausprägung der Zosterbläschen, am häufigsten an Rumpf und Brustkorb. Bei etwa zehn Prozent der Patienten kommt es zu komplizierten Krankheitsverläufen.

Hier finden Sie den Ratgeber des Robert Koch-Instituts zu Varizellen:
Ratgeber_Varizellen

Die Impfung

Der Impfstoff besteht aus abgeschwächten, lebenden Viren (Varizella-zoster-Viren), die sich im Geimpften vermehren. Er wird unter die Haut gespritzt (subkutane Injektion).

Generell sollten alle Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten eine Impfung gegen Windpocken erhalten. Sie kann bevorzugt parallel zur ersten MMR-Impfung oder frühestens vier Wochen nach dieser verabreicht werden. Um einen sicheren Impfschutz zu erreichen, empfiehlt die STIKO eine zweite Impfung im Alter von 15 bis 23 Lebensmonaten. Es kann aber auch bereits 4 bis 6 Wochen nach der Erstimpfung wieder geimpft werden. Bei allen bisher nur einmal geimpften Kindern soll - nach den STIKO-Empfehlungen von Juli 2009 - die zweite Varizellenimpfung nachgeholt werden. Wird ein Masern-Mumps-Röteln-Varizellen-Kombinationsimpfstoff (MMRV) verwendet, gilt dies ebenfalls.

Die Impfung wird außerdem für bestimmte Personen empfohlen, die die Windpocken noch nicht durchgemacht haben und bisher auch nicht dagegen geimpft wurden:

  • 9- bis 17-jährige Jugendliche
  • Frauen mit Kinderwunsch
  • Patienten mit schwerer Neurodermitis
  • Patienten mit Leukämie, Patienten vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation
  • Personen mit Kontakt zu den oben genannte Patienten mit Neurodermitis etc.
  • Medizinisches Personal, besonders in der Kinderheilkunde, Onkologie, Frauenheilkunde/Geburtshilfe, Intensivmedizin
  • Neuangestellte in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter


Bei allen genannten Personengruppen müssen ebenfalls zwei Impfungen im Mindestabstand von vier, besser sechs Wochen verabreicht werden.


Die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO finden Sie hier:
STIKO-Impfempfehlungen 2009
Die Begründung zur 2. Varizellendosis findne Sie hier: Begründung.pdf

 


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Letzte Aktualisierung: 31.08.2009
Haben Sie Fragen zu diesem Thema? agmv[á]kilian.de
Deutsches Grünes Kreuz e.V.
Masern- und Windpockenimpfung sowie Impfen und Infektionen beim DGK